EnergieRadar

Unser aktueller Newsletter EnergieRadar informiert Sie wieder über aktuelle Themen im Energiebereich – über Erfolgsgeschichten in Sachen Energieeffizienz ebenso wie über brisante Belange der Energiesicherheit oder den Diskussionsstand bei energiepolitischen Fragen.

Die Ausgebe steht Ihnen wieder sowohl im auch für mobile Geräte bedienfreundlichen Format zur Verfügung als auch als druckkompatibles PDF. Für einen noch besseren Überblick zu den vorgestellten Themen sorgen wie immer die Links zu vertiefenden Quellen.

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EnergieRadar - Ausgabe 07/2026

Das aktuelle Energiebild:

> Börsenstrompreise im Vergleich (1. Halbjahr 2026)

Vergleich der Börsenstrompreise Januar bis Juni 2026 - Balkengrafik

Quelle: energy charts.info 
Grafik: EIW

Vergleicht man die Börsenstrompreise in ausgewählten Staaten in Europa, zählt Österreich zu den teuersten Ländern – gleich hinter Norditalien und Polen. Der hohe Preis belastet alle Verbraucher, für gewerbliche Nutzer bedeuten die erhöhten Energiekosten einen eindeutigen Wettbewerbsnachteil.

Knapp 55 Prozent unter dem durchschnittlichen österreichischen Börsenstrompreis liegt jener in Spanien: Dort wurde der Standortvorteil für die Erzeugung günstigen erneuerbaren Stroms aktiv genutzt.

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Energieeffizienz, das Gebot der Stunde

Systematisch Energiekosten zu senken ist für Betriebe der beste Weg, um die Ausgaben niedrig und unter Kontrolle zu halten. Hilfreich sind dazu Energieaudits und Energiemanagement-Systeme, die mit der EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EU) 2023/1791 für Unternehmen ab einer spezifischen Höhe des Gesamtenergieverbrauchs verpflichtend werden.

Die aktuelle Version der EU-Energieeffizienz-Richtlinie knüpft systematische Maßnahmen zur Energieeinsparung nicht länger an die Betriebsgröße, die Verpflichtungen sind an die Höhe des jährlichen Gesamt-Energieverbrauchs gekoppelt und können daher nicht nur Großbetriebe, sondern auch KMU betreffen:

  • Unternehmen, die in den letzten drei Jahren einen durchschnittlichen jährlichen Energieverbrauch von über 10 TJ aufgewiesen haben, sind verpflichtet, alle 4 Jahre ein Energieaudit durchzuführen (außer, es ist bereits ein Energiemanagementsystem eingeführt worden). Der erste Pflichttermin für ein Audit ist der 11.Oktober 2026.
  • Unternehmen, die in den letzten drei Jahren einen durchschnittlichen jährlichen Energieverbrauch von über 85 TJ aufgewiesen haben, sind zur Einrichtung eines Energiemanagementsystems verpflichtet. Frist für die Implementierung eines Energiemanagementsystems ist der 11. Oktober 2027.

Jahresverbrauch, einfach zu errechnen

Der zu ermittelnde jährliche Energieverbrauch umfasst alle Energieformen – Strom oder Wärme ebenso wie Treibstoffe für die Mobilität. Damit Betriebe auf schnellem und einfachem Wege ihren Gesamtverbrauch prüfen können, hat das Energieinstitut der Wirtschaft im Auftrag der WKO Bundessparte Industrie einen Terajoule-Umrechner erstellt, der eine einfache und schnelle Umrechnung gängiger Einheiten – von der Kilowattstunde Strom über den Normkubikmeter Gas bis zum Liter Benzin – in das verlangte Norm-Maß Terajoule umrechnet und den jährlichen Gesamtverbrauch summiert.

Energieeffizienz für alle

Unabhängig von einer Verpflichtung sind Energieaudits und Energiemanagementsysteme gute Mittel, um wertvolle Einblicke in den eigenen Energieverbrauch zu bekommen und ungenützte Einsparpotenziale zu finden. Das aktuelle EU-Life-Projekt EcoSMEnergy erarbeitet, unter Beteiligung des EIW als österreichischem Partner, Know-how zu betrieblicher Energieeffizienz.

Praktische Erfahrungen von Unternehmen zeigen anschaulich die Vorteile von Energiemanagement – so etwa das Beispiel eines Medizintechnik-Betriebs, der bereits in einer ersten Periode der systematischen Optimierung die Energiekosten um 20 Prozent senken konnte. Abgesehen von gesenkten Energiekosten haben Audits und Managementsysteme auch weitere positive Effekte: Zu den so genannten Non-Energy-Benefits gehören reduzierte Wartungskosten, kürzere Instandsetzungszeiten, gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit, ein verbessertes Raumklima und einiges mehr.

> Terajoule-Umrechner der WKO Bundessparte Industrie

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Hebel zur Senkung der Energiekosten

Deutschland hat bereits Maßnahmen für einen staatlich gestützten Industriestrompreis auf den Weg gebracht, und nun hat auch Österreich diesen politischen Prozess gestartet. Ermöglicht wurde der, nachdem vor knapp einem Jahr der CISAF-Beihilferahmen (Clean Industrial Deal State Aid Framework) veröffentlicht wurde. Seither hat das Thema nichts an Aktualität verloren. Factsheets geben Unternehmen einen schnellen Überblick.

Laut Ministerratsbeschluss und Industriestrategie stehen künftig jährlich 250 Mio. Euro für Maßnahmen zur Senkung der Stromkosten in der Industrie einerseits und zur Standortabsicherung andererseits zur Verfügung. Diese Mittel können flexibel zwischen diesen beiden programmatischen Schwerpunkten verschoben werden, die aufgrund von EU-Vorgaben unterschieden werden können:

Industriestrompreis

Für den Industriestrompreis soll laut Bundesregierung eine Mindestverbrauchsgrenze von 1 GWh pro Jahr gelten. Zudem müssen die Vorgaben des europäischen Beihilferahmens CISAF eingehalten werden.

In Österreich wurde er in der Industriestrategie angekündigt und Ende Mai 2026 im Ministerrat beschlossen. Laut Ankündigung der Bundesregierung soll er ab 2027 für antragsberechtigte Sektoren ab einem Jahresverbrauch von 1 GWh verfügbar sein.

Standortabsicherungsgesetz (SAG)

Gleichzeitig wird das Standortabsicherungsgesetz verlängert. Beim SAG handelt es sich um die österreichische Umsetzung der EU-ETS-Strompreiskompensation. Diese soll Unternehmen für jene CO₂-Kosten entlasten, die über den Strompreis an die Endverbraucher weitergegeben werden. Insbesondere für große Stromverbraucher wie Industriebetriebe können steigende CO₂-Preise zu Wettbewerbsnachteilen führen. Vor allem exportorientierte Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb mit Anbietern aus Drittstaaten stehen, können daher von dieser Kompensation profitieren.

Möglichkeiten, die Energiekosten zu senken

Beide Instrumente dienen in erster Linie dazu, besonders energieintensive und exportorientierte Unternehmen zu unterstützen. Aufgrund europarechtlicher Vorgaben stehen jedoch weder der Industriestrompreis noch die Strompreiskompensation allen Wirtschaftssektoren offen.

Wer seine Energiekosten rasch und unbürokratisch senken möchte, sollte jedoch auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen: Eine Auswertung des Energieinstituts der Wirtschaft (EIW) für die Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich kommt zu dem Schluss, dass selbst bei einem für alle Branchen und auch kleinere Verbrauchsmengen geöffneten Industriestrompreis ein Wechsel des Stromlieferanten oder des bestehenden Tarifs für viele Betriebe wirtschaftlich attraktiver sein kann. Gleichzeitig ist eine solche Maßnahme in der Regel deutlich einfacher umzusetzen. Dabei lohnt sich eine regelmäßige Überprüfung der bestehenden Strom- und Gastarife. Für Unternehmen mit einem Stromverbrauch von unter 100.000 kWh pro Jahr sowie Gasverbräuchen bis 400.000 kWh bietet der Gewerbe-Tarifkalkulator der E-Control eine hilfreiche Orientierung. Außerdem können die durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) neu geschaffenen Möglichkeiten für manche Betriebe zusätzliche Vorteile bringen.

Die Energiekosten lassen sich außerdem auch durch Maßnahmen zur Energieeffizienz im eigenen Betrieb oftmals deutlich reduzieren – häufig sogar ohne größere Investitionen.

> Factsheet der Bundessparte Industrie zu Lieferantenwechsel & Industriestrompreis

> Infoblatt der Wirtschaftskammer Niederösterreich: Praktische Unterstützung bei der Senkung der Energiekosten

 

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Die Zukunft der Hotellerie ist nachhaltig

Das Energieinstitut der Wirtschaft lud ein zu einem Gespräch der Reihe EIW Energy Talk, und es wurde ein anregender Austausch ausgewiesener Fachleute zum Status Quo und zu den Herausforderungen und Perspektiven eines nachhaltigen Tourismus in Österreich.

Global betrachtet hat der Tourismussektor einen Anteil von 8 Prozent am weltweiten Energieverbrauch – dies erklärt auch die Relevanz von Initiativen wie dem EU-Projekt EnergyEfficiency4HORECA, dessen Ziel die Steigerung der Energieeffizienz von HORECA-Betrieben (Hotels, Restaurants, Catering) entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist – also etwa auch bei der Mobilität und der Logistik im Umfeld der eigentlichen Betriebe.

Am Gespräch unter der Moderation von Mario Jandrokovic (EIW) beteiligten sich vier Personen, die repräsentativ dafür waren, dass Österreich durchaus eine Vorreiterrolle in nachhaltigem Tourismus einnimmt: Nicole Hartl von der Österreichischen Energieagentur (AEA), zuständig für Gebäude und für Tourismus in der österreichumspannenden, speziell auch lokal in den Ländern wirksamen Initiative klimaaktiv, Regina Preslmair vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), die sich für die Qualität und die Verbreitung des Österreichischen Umweltzeichens einsetzt; Ewald Sarugg, der langjährige Erfahrung als Unternehmensberater in den Bereichen Energie, Umwelt, Förderungen sowie Verhandlungsmanagement hat, sowie Johannes Scheiblauer, in der Österreichischen Hotelvereinigung Landesvorsitzender für Niederösterreich, und Chef zweier Vorzeigebetriebe für nachhaltigen Tourismus im Mostviertel.

Eine entscheidende Fragestellung war für alle Beteiligten, was Unternehmen dazu motiviere, Nachhaltigkeits-Aktivitäten zu setzen, und wie auch Gäste in dieser Motivation „mitgenommen“ werden können: Inwiefern sind Gäste bereit, für den Mehrwert von ökologischen Produkten und für Klimaschutz höhere Kosten in Kauf zu nehmen? In diesem Zusammenhang haben alle Beteiligten einen Wunsch für die nähere Zukunft geteilt: Als Motivation zu mehr Energieeffizienz hätten sich insbesondere Energie-Benchmarks für die Branchen bewährt. Nachdem gerade in der Hotellerie der durchschnittliche Energieverbrauch pro Übernachtung erfreulich gesunken ist, wären aktuelle Benchmarks ein sinnvolles Werkzeug für die Erhöhung der Energieeffizienz.

Zahlreiche praktische Erfahrungen und Lösungen, die in der anregenden Runde zur Sprache gekommen sind, finden sich in der Langversion des > Energy Talk zu nachhaltiger Hotellerie.

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Energie erklärt: Gebäudeautomation

Gebäudeautomation vernetzt Heizung, Lüftung, Kühlung und weitere gebäudetechnische Anlagen mithilfe von Mess-, Steuer- und Regeltechnik zu einem integrierten System, das kontinuierlich die Energieverbräuche erfasst, Effizienzverluste erkennt und so umgehend auf Fehler reagiert. Die technische Ausstattung von Gebäuden wird zunehmend komplexer, doch häufig sind die einzelnen Anlagen nicht aufeinander abgestimmt: so kann sich der Verbrauch von Heizung und Lüftung regelrecht gegenseitig hochschaukeln. Eine zentrale Gebäudeautomation sorgt dafür, dass die Systeme optimiert zusammenspielen und nur bei Bedarf in Betrieb sind – das kann in Summe bis zu 30 % Einsparung beim Energieverbrauch bringen.

Gemäß der neuen EU-Gebäuderichtlinie (EPBD - Energy Performance of Buildings Directive) gilt in allen EU-Ländern für Nicht-Wohngebäude – also Gebäude im Bereich Beherbergung und Gastronomie, Gesundheit, Handel, Industrie, Kultur, Sport und Freizeit, Lager und Logistik, Landwirtschaft, Verkehr oder Verwaltung – eine Verpflichtung zu einer zentralen Gebäudeautomation mit einer installierten Heiz-, Kühl- oder Lüftungsleistung von …

mehr als 290 kW (ab 2025) – das entspricht einem unsanierten Kühllager mit ~ 1.000 m² Fläche
mehr als 70 kW (bis 2030) – z. B. unsaniertes Bürogebäude (vor 1975) mit ~ 500 m² Fläche

Für neu errichtete oder umfassender zu sanierende Wohngebäude ist eine automatisierte Überwachung der Innenraumluftqualität vorgeschrieben: Gebäudeautomation hat nicht nur die Reduktion des Energieverbrauchs zum Ziel, sondern auch gesundes Raumklima und erhöhte Sicherheit – etwa, wenn Brandanlagen im Notfall automatisch Brandschutzklappen und Entrauchungsanlagen ansteuern.

Thermisch-energetische Sanierung ist entscheidend, um die Vorgaben der  EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) zu erfüllen: Bis 2033 müssen sämtliche Gebäude mindestens Energieeffizienzklasse E erreichen, ab 2033 Klasse D. Nur mit der „klassischen“ thermischen Sanierung, also Dämmung und Heizungstausch, würden für diese Ziele nicht ausreichend finanzielle Mittel und Fachkräfte zur Verfügung stehen. Mit Gebäudeautomation sind vergleichsweise bis zu dreimal so hohe CO₂-Einsparungen pro Euro möglich.

Funkbasierte Systeme steuern Licht, Lüftung und Heizung, sie überwachen Temperatur, Feuchte, und den CO₂-Gehalt der Luft – und das ohne große Eingriffe in die Bausubstanz: Dies erleichtert auch bei denkmalgeschützten Gebäuden die Energieoptimierung.

Daher fordert auch die österreichische Elektrotechnikbranche in einem Positionspapier, die Potenziale zu nutzen, die in den europaweit verbindlichen Zielen der EPBD liegen: Im Sinne der Investitionssicherheit sollte die Umsetzung nicht in neun unterschiedlichen Landesregelungen erfolgen. Christian Bräuer, Bundesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker, fordert „klare und einheitliche Rahmenbedingungen für ganz Österreich.

Die Elektrotechnikbranche sieht in der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie erhebliche Chancen für Wertschöpfung, Innovation und Beschäftigung in Österreich – Voraussetzung seien jedoch einheitliche, österreichweit harmonisierte elektrotechnische Standards, so Robert Pfarrwaller, Bundesgremialobmann des Elektro- und Einrichtungsfachhandels: „Die Energiewende wird elektrisch. Damit Österreich die Chancen der EPBD nutzen kann, braucht es jetzt Mut zur Vereinheitlichung statt neue bürokratische Hürden.

> Einheitliche EPBD-Umsetzung als Schlüssel für Investitionssicherheit

> Fact Sheet Gebäudeautomation